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Abschied von Rosa Mariechen

Abschied von Rosa Mariechen

Wie setzt man einen Trauertext auf, wenn einem gerade der Boden unter den Füßen weggerissen wurde? Keine Ahnung, aber leider muss es jetzt passieren, da wir auch in den schwärzesten Stunden auf dem Hof transparent bleiben wollen. Und tatsächlich ist die Überschrift nicht nur ein böser Traum, unsere geliebte Diva wurde vor knapp einer Stunde vom Tierarzt erlöst. Der uns sogar ermahnen musste, weil wir Mariechen partout nicht gehen lassen wollten. Sogar jetzt ist das Ganze noch komplett surreal, zu sehr war der Hof mit dieser Galionsfigur verknüpft.

Aber trotzdem ist es wohl wahr und wenn wir ehrlich sind, war es noch nicht mal ein Abschied aus heiterem Himmel. So alt wie Rosa Mariechen ist noch kein Hausschwein auf Butenland geworden, Else wurde 9, Erna 10 Jahre alt. Bei Minischweinen ist das etwas anderes, da bricht gerade Eberhard alle Altersrekorde. Aber bei Mastschweinen liegt die Lebenserwartung grundsätzlich niedriger. Zumal Rosa Mariechen durch die gnadenlose Zucht auch schon an der Bananenkrankheit im Rückengrat gelitten hat, als sie auf den Hof kam. So hatte sie gerade in den letzten Jahren schon immer mit Gelenkproblemen zu kämpfen, vor einem halben Jahr war das sogar richtig knapp und wir hätten damals schon fast die schwierigste Entscheidung auf einem Lebenshof getroffen. Seit Wochen mehrten sich stetig diese Probleme und die Diva brauchte immer länger, um überhaupt aus dem Liegen hochzukommen. Seit dem Wochenende stand sie dann nur noch zum Essen auf und ist nicht mehr aus dem Stall gegangen. Am Sonntag hat sie auch das eingestellt und wir mussten ihr das Futter bringen. Nicht mal für Ananas richtete sie sich noch auf, weil sie ihre Gelenke gar nicht mehr belasten konnte und die beiden Hinterbeine sogar gelähmt waren. Damit sie über Nacht nicht auskühlt, haben wir sie gestern Abend mit Stroh bedeckt, da ist am Morgen nicht ein Halm verrückt worden, sie lag also die ganze Nacht bewegungslos. Wie sehr haben wir heute auf einen letzten Versuch mit Schmerzmitteln und eine anschließende weihnachtliche Wunderheilung gehofft, aber diese Hoffnung hat uns der Tierarzt dann in einem sehr ernsten Gespräch genommen. So blieb uns nur noch der letzte Schritt in diesem Albtraum. Angeblich ein Freundschaftsdienst, selten hat ein Wort schaler geklungen als hier.

Im Sommer des Jahres 2012 erreichte die wundervollste Sau in diesem Universum als kleines schwer mitgenommenes Schweinchen Butenland. Mutige Tierrechtler hatten Mariechen als zwei Monate altes Ferkel in einer Mastanlage gefunden. Dort lag sie vergessen in einer Ecke, der Kopf war bereits von Ratten angefressen worden und in den Wunden tummelten sich Maden. Zusätzlich litt Mariechen auch noch an einer Lungenentzündung. Wäre sie nicht umgehend in eine Tierklinik gebracht und dort von Spezialisten behandelt worden, dann hätte es die folgenden 11 Jahre niemals gegeben. Und was war diese Zeit für ein Triumphzug. Am Anfang wollte Rosa eigentlich Kuh werden und sie lief öfter unter den Rindern mit. Von Anfang an eroberte sie alle Menschenherzen im Sturm, konnte sich aber nie für Artgenossen erwärmen. Mit Prinz Lui und Rudi konnte sie gar nichts anfangen, von Erna und Else mussten wir sie sogar per Trennwand separieren, da die Diva keine Statisten in ihrem Hollywood-Leben duldete. Winfried und Eberhard legten sich sogar anfangs in ihr Bett, was selbstverständlich auch nicht unbedingt auf Wohlwollen bei ihr stiess. Selbst Frederik wurde am Anfang sehr harsch zurechtgewiesen, ihre große Liebe wurde er nur, weil er sich so hartnäckig gezeigt hat und so nach Monaten das Herz der Diva doch noch erobern konnte. Das Herz, das nun aufgehört hat zu schlagen und die menschlichen Herzen auf dem Hof dadurch restlos gebrochen hat. Etwas Trost liegt womöglich in der Tatsache, dass sie nun keine Schmerzen mehr hat und heute auch den ganzen Tag sehr friedlich gewirkt hat, als hätte sie sich bereits mit dem Abschied arrangiert. Auf dem Status ist auf dem Hof leider niemand. Hach Mariechen, Danke für die wundervolle Zeit, Danke, dass du trotz deiner Vorgeschichte so lange unser Leben bereichert hast und Danke, was du durch deine reine Präsenz für die Tierrechte auf dieser Welt getan hast.

Wir veröffentlichen diesmal kein Trauerlied, sondern ein Video von Mariechen, das wir gestern abend aufgenommen haben. Auf der einen Seite sieht man dort leider sehr gut, dass sie ihre Beine gar nicht mehr belasten konnte, auf der anderen Seite wird aber auch klar, was für ein Loch diese bezaubernde Persönlichkeit hier hinterlassen hat. Alle Rechtschreibfehler in diesem Text sind einem doch sehr dichten Tränenschleier vor den Augen geschuldet.

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